Baustein 1-6

Vor der Geburt (ab 20. Schwangerschaftswoche) – 6 Bausteine

1. Warum sind die ersten Lebensjahre eigentlich so wichtig?

  • Viele wichtige  Weichenstellungen in der Familie erfolgen  in den Monaten vor und nach der Geburt des Kindes und haben Langzeitwirkung.
  • Im Vordergrund steht häufig die „Hardware “  (wie Hauskauf oder Wohnungsmiete – die Berufe – die Planung der Kinderbetreuung – die finanzielle Sicherheit). Die „Software “ (z.B. Qualität der Beziehungen – Kommunikationskompetenz – sichere emotionale Bindung – Selbstwertentwicklung beim Kind – Auseinandersetzung mit den Prägungen aus den Ursprungsfamilien – Liebessprachen – seelische Gesundheit……….) kommt oft zu kurz, obwohl sie für die Zukunft der Familie mindestens so große Bedeutung hat.
  • Wie soll unser Familienhaus aussehen?
  • Wie können wir dafür sorgen, dass es allen in der Familie gut geht – Mutter, Vater, Kind?
  • Was wissen wir von unseren Ursprungsfamilien? Wo kommen wir her? Wie sind wir geprägt worden? Was war wertvoll, was wollen wir behalten? Was war destruktiv?
  • Und wo wollen wir hin? Wo wollen wir in 10-20 Jahren sein? Was wünschen wir uns? Wovon träumen wir?

2. Lebendige Paarbeziehung: Wenn es dem Paar gut geht, geht es auch dem Kind gut

  • Wie kann es uns gelingen, als Paar in guter Beziehung zu bleiben?
  • Welche individuellen Bedürfnisse sind mir (Frau, Mann) wichtig? Wie können wir dafür sorgen, dass genügend Zeit und Energie hierfür übrig bleibt?
  • Wie kommen wir von der  Verliebtheit zur Liebe? Wie kann ich mich für meinen Partner erkennbar machen? Wie können wir so miteinander reden, dass wir uns noch näher kennenlernen und besser verstehen? „Zwiegespräche“ – eine Möglichkeit, Missverständnisse und Sprachlosigkeit zu überwinden.
  • Welche Liebessprache spricht mein Partner? Welche Liebessprache spreche ich? Wie gelingt es mir, meine liebevollen Gedanken und Gefühle in liebevolles Handeln umzusetzen –  so, dass es vom anderen auch als liebevoll erlebt wird?
  • Wie funktioniert ein Beziehungskonto? Was sind Einzahlungen, was Abhebungen?
  • Wie können wir so mit Konflikten umgehen, dass daraus nicht regelmäßig Streit entsteht? Es gibt konstruktive Alternativen.
  • Kann ich voller Überzeugung sagen: Es ist ok, dass Du ganz anders bist?

3. Sichere emotionale Bindung – ein Schatz fürs Leben

  • Väter und Mütter gestern und heute – Rollenverständnis und Erwartungen aneinander.
  • Will ich als Vater  eine eigenständige Beziehung zu meinem  Kind finden? Wie geht das?  („Man kann nicht von Müttern lernen, wie man ein guter Vater wird.“, Jesper Juul)
  • Wollen wir gemeinsam die Verantwortung für die Familie übernehmen? Oder  wollen wir nur eine  gerechte Verteilung der Aufgaben praktizieren?
  • Was bedeutet sichere emotionale Bindung? Wie gelingt sie?  Sie hat existentielle  Bedeutung für das weitere Leben. Negative Folgen der unsicheren Bindung.
  • Die Eltern – Kind – Beziehung ist einmalig. Vom gleichwürdigen und feinfühligen Umgang zwischen Eltern und Kind.
  • Sichere Bindung und Persönlichkeitsentwicklung des Kindes erfolgen in den ersten Lebensjahren.
  • Säuglinge sind kompetenter als wir oft denken. Sie wissen und „berichten“ uns: Ich bin hungrig, durstig, müde, satt; ich kann nicht mehr, es geht mir nicht gut, ich bin gut drauf…
  • Mein Kind lieben – Was heißt das eigentlich? Von der Sehnsucht, geliebt und gesehen zu werden, sich als wertvoll zu erleben. „Meine Eltern haben alles für mich getan, aber ich weiß nicht, ob sie mich geliebt haben/ mich lieben.“
  • Wie kommt mein Kind zu einem gesunden Selbstwert? Selbstvertrauen und Selbstwert sind etwas grundlegend Verschiedenes.

4. Beziehungsqualitäten statt Erziehungsprinzipien

  • In den ersten Lebensjahren brauchen die Kinder keine Erziehung, sonders vor allem freundliche und empathische Begleitung.
  • Kein Mensch fühlt sich wohl, wenn er Prinzipien oder Konzepten unterworfen wird.
  • Mit ihren inneren Haltungen  prägen Eltern die Atmosphäre in der Familie und ihre Kinder. Das, was die Eltern vorleben, wird von den Kindern übernommen. Eltern und Kinder entwickeln sich so gemeinsam.
  • „Die Qualität der Beziehung entscheidet über unser Wohlbefinden und unsere Entwicklung als Mensch.“ (Jesper Juul)
  • Haltungen, die sich auf jede Familie positiv auswirken: Gleichwürdigkeit, persönliche Integrität/Eigenständigkeit, Authentizität/Echtsein und persönliche Verantwortung.
  • Gleichwürdigkeit bedeutet:  Miteinander umgehen wie mit einem guten Freund.
  • Persönliche Integrität: Der lebenslange Konflikt zwischen Eigenständigkeit, dem  Personenkern (Wer bin ich? Was will ich?) und der von anderen (Eltern, andere Erwachsene, Gesellschaft) geforderten Anpassung/Kooperation.
  • Authentizität: Wie kann ich echt und wahr sein?
  • Persönliche Verantwortung heißt: Ich entscheide mich dafür, für mein Leben Verantwortung zu übernehmen (und mache nicht andere dafür verantwortlich).

5. Eltern sind „Führungskräfte“ – die Kunst, positiv zu leiten

  • Die Eltern gehören auf den „Fahrersitz“, nicht die Kinder. Kinder bringen viele Fähigkeiten, aber keine Lebenserfahrung mit.
  • Merkmale der autoritären Führung – traditionelle und modern freundliche Form. Welches Menschenbild steckt hinter dieser Form der Führung? Wie heißen die unerwünschten Wirkungen/Schäden der autoritären Führung?
  • Beziehungsorientierte/bedürfnisorientierte/gleichwürdige Führung bedeutet: Führen, ohne Schaden anzurichten.
  • Kinder sind von Beginn an ganze Menschen und kooperativ, auch wenn dies (für Erwachsene) nicht immer auf Anhieb sichtbar ist.
  • Dialog und persönliche Sprache.
  • Liebe ist der bessere Lehrer.
  • Die Eltern sind für die Atmosphäre in der Familie verantwortlich.
  • Wie kann ich persönliche Autorität entwickeln?

6. Eine offene Frage: Wieviel Beruf passt in unser Familienleben?

  • Was wollen wir als Paar? Warum? Welche Erwartungen hat die Gesellschaft?
  • Wie wollen wir in den Jahren 0-3 nach der Geburt unseres Kindes  unsere Zeit und Energie verteilen?
  • Lassen sich Familie und unsere Berufe miteinander vereinbaren? Welche konkreten Vorstellungen haben wir dazu? Wie soll der Zeit – Kuchen neu aufgeteilt werden?
  • Können wir uns vorstellen, unser berufliches Engagement in den ersten 3 Lebensjahren unseres Kindes  zu reduzieren?
  • Wollen wir unser Kind auch jenseits der Elternzeit selbst betreuen, oder  wollen wir es in der  Krippe, Kita bzw. einer Tagesmutter betreuen lassen?
  • Innerfamiliäre und außerfamiliäre Betreuung – auf welche Qualitäten kommt es vor allem an?
  • Wollen wir uns in die aktuelle gesellschaftliche Diskussion über die „familiären Rahmenbedingungen“ – Vereinbarkeit von Berufen und Familie plus Form der Kinderbetreuung – einmischen?