Baustein 11-14

Im zweiten Lebensjahr des Kindes – 4 Bausteine

11. Rituale und Regeln im Alltag

  • Was ist uns wichtig? Welche Regeln und Rituale wollen wir in unserer Familie „leben“? Und warum?
  • Welche Rituale kennen wir aus unseren Ursprungsfamilien? Wie wurden Geburtstage oder andere Feste gefeiert?
  • Sind uns gemeinsame Mahlzeiten wichtig? Regelmäßig,  1x/Tag oder nur an den Wochenenden?
  • Beginnen wir unsere Mahlzeiten gemeinsam? Bleiben alle sitzen, bis die Mahlzeit beendet ist, oder können die Kinder aufstehen, sobald sie fertig sind? Gibt es verbindliche „Tischmanieren“?
  • Welche Rituale und Abläufe haben sich am Abend für das Einschlafen bewährt?

12. Selbständigkeitsalter – Trotz ist ein Geschenk an die Eltern

  • Im 1. Lebensjahr sind Kinder in fast allen Aktivitäten abhängig von der Unterstützung durch Erwachsene. Die Kinder sind existentiell darauf angewiesen, dass sie von ihren Bindungspersonen verlässlich, liebevoll und feinfühlig begleitet werden.
  • Mit Beginn des 2. Lebensjahres wird diese Abhängigkeit von der Kompetenz der Erwachsenen kleiner. Die Kinder entdecken, dass ihre Mobilität und andere Fähigkeiten sehr schnell zunehmen, und dass sie selbständiger werden.
  • Dieser Prozess führt notwendigerweise zu Kollisionen und Konflikten zwischen den Eltern („Nein, das kannst Du noch nicht.“) und den Kindern (das will ich „selbst“ probieren).
  • Mit „Trotz“ oder einem Verhalten, das sich gegen die Eltern richtet, hat diese Entwicklung nichts zu tun – auch wenn der Begriff „Trotz“ immer noch das Denken über diesen Entwicklungsprozess bestimmt.
  • Kindern sollten auch keine Machtkämpfe unterstellt werden. Sie kämpfen ausschließlich für ihre Selbständigkeit.
  • Es lohnt sich, sich intensiv mit den grundlegenden Prozessen zu beschäftigen, die für diese extrem wichtige und oft als schwierig eingestufte Entwicklungsphase bedeutsam sind.
  • Der Prozess des Selbständig – Werdens konzentriert sich meist auf das 2.-5. Lebensjahr.
  • Wenn Eltern  verstanden haben, warum Kinder häufig so emotional  reagieren und so wütend werden, entspannt sich die Situation in den Familien oft ungemein.

13. Erwachsene haben Grenzen, Kinder auch!?

  • Hinter den  Aussagen  „ich setze Grenzen“ oder „ich habe Grenzen“ stehen sehr unterschiedliche Haltungen, die mit ganz verschiedenen Erziehungsstilen verbunden sind.
  • Verwirrung kann zusätzlich dadurch entstehen, dass die Begriffe „Regeln“ und „Grenzen“ gleich gesetzt werden. Regeln meinen aber etwas anderes als Grenzen.
  • Regeln werden typischerweise in praktisch allen Organisationseinheiten (wie Familie, KiTa, Schule, Firma) aufgestellt, wenn sich bestimmte Abläufe regelmäßig wiederholen. Die  Prozesse werden durch klare Regeln gewöhnlich vereinfacht.
  • Das „Grenzen setzen“ ist Teil der autoritären Führung (in ihrer eher freundlichen Variante). Bei der gleichwürdigen Führung geht es um die Grenzen, die sowohl Erwachsen und auch  Kinder haben.
  • Wenn Eltern ihren Kindern vorleben, wie sie für ihre eigenen Grenzen eintreten („Nein, ich will jetzt nicht mit Dir spielen.“), können Kinder solche Grenzsetzungen im Laufe eines längeren Lernprozesses auch für sich umsetzen („Nein, jetzt will ich nicht ………….“)
  • Kinder lernen, wie unterschiedlich Menschen und damit auch ihre individuellen Grenzen sind, indem Mutter, Vater, Großvater, Tante ………..klar und freundlich formulieren, was sie jetzt wollen oder auch  nicht.
  • Zu diesem Thema „Grenzen“  gehört auch, dass Erwachsene vormachen, wie sie sich verhalten, wenn sie die Grenzen eines anderen Erwachsenen oder eines Kindes missachtet und übertreten haben. Die Aussage von Mutter oder Vater (in Richtung des Partners oder des Kindes): „Es tut mir leid, dass ich eben so laut geworden bin“ ist ein Vorbild, von dem die Kinder lernen werden.

14. Kritisieren, Schimpfen, Besserwissen – es geht auch anders

  • Für die Atmosphäre in der Familie sind immer die Eltern verantwortlich, nicht die Kinder.
  • Eltern fühlen sich oft schon fortschrittlich, wenn sie in der Erziehung auf Schläge verzichten und nur noch „alternative“ Erziehungsmittel einsetzen. Hierzu gehören u.a. häufig herabsetzende, beschämende und kritisierende Worte („Schlagen mit der Zunge“) und Auszeiten („Du gehst jetzt in Dein Zimmer“).
  • Die meisten Kinder erleben solche Erziehungsmittel, insbesondere auch die verbalen Attacken (wie Schreien und Schimpfen), als extrem unangenehm und verletzend.
  • Eltern und Erzieher (in KiTa, Schule) nehmen oft gar nicht wahr, dass und wann sie diese Tonart anschlagen, einfach weil sie so „normal“ und gewohnt ist. So ist „man“ mit Kindern doch immer umgegangen.
  • Es gibt Alternativen. Welche?
  • Was heißt Gleichwürdigkeit, und wie funktioniert ein gleichwürdiger Dialog?
  • Was bedeuten persönliche Sprache und Beachtung der persönlichen Integrität/Unversehrtheit?
  • Wie kann ich als Vater oder Mutter authentisch sein?