Baustein 7-10

Im ersten Lebensjahr des Kindes – 4 Bausteine

7. Unser Kind ist da! Wie geht es uns jetzt als Mutter, Vater, Kind?

  • Wie erleben wir unser Kind? Ist es eher ruhig oder sehr lebhaft? Wie trinkt und wie schläft es? Weint es viel? Gelingt es uns,  unser Kind zu beruhigen – wie? Wo schläft das Kind (Familienbett – eigenes Bett – im eigenen Zimmer)?
  • Wie geht es mit dem Einschlafen? Wie mit dem Durchschlafen? Wer bringt das Kind zum Schlafen?
  • Wie geht es mir als Mutter? Komme ich mit den neuen Herausforderungen gut zurecht?  Oder fühle ich mich sehr angestrengt oder überfordert? Finde ich genügend Schlaf? Und: Habe ich kleine Freiräume?
  • Wie geht es mir als Vater? Bin ich in Kontakt mit dem Baby? Kann ich diese Zeit genießen? Fühle ich mich im Zentrum oder eher am Rand der Familie?
  • Wie geht es uns als Paar? Was gelingt uns gut, wo wünschen wir uns bessere Lösungen? Gibt es Raum für die Sexualität?

8. Wie Eltern die Entwicklung des kindlichen Gehirns prägen

  • An dem rasanten Gehirnwachstum während der ersten Lebensjahre lässt sich besonders gut ablesen, wie intensiv gerade Säuglinge und Kleinkinder lernen.
  • Alle Kinder lernen aus sich heraus (intrinsische Motivation). Auch Misserfolge können ihre Lernbegeisterung nicht stoppen. Sie benötigen keinen Lehrer.
  • Der „Lernprozess“ startet dann automatisch, wenn das Kind von einer ihm zugewandten Person auf seinen Entdeckungsreisen und Forschungen begleitet  wird.
  • Eine sichere emotionale Bindung an Mutter und/oder Vater (oder eine andere regelmäßig verfügbare Bindungsperson, z.B. Großmutter) ist deshalb die beste, aber auch notwendige Voraussetzung für produktives Lernen. Sichere emotionale Bindung ermöglicht so „Bildung“.
  • Fehlt diese sichere zugewandte Umgebung,  der sichere Hafen, ist kreatives Lernen schwierig.
  • Wenn Kinder in ihrer Umgebung das vorfinden, was sie aktuell am meisten interessiert, eben das, was ihrer aktuellen Entwicklungsphase entspricht, bauen sie ihr Wissen aus, sie lernen gezielt weiter. Wir sprechen von einer anregungsreichen Umgebung.
  • Solche Anregungen sind z.B.: Singen, sprechen, spielen. Eltern können die  aktuellen Situationen und Befindlichkeiten  in Worte fassen, dem Kind das spiegeln, was es gerade erlebt – der Welt „Namen geben“.
  • Jedes Kind vollzieht seine Entwicklungsfortschritte in einer genetisch vorgegebenen Reihenfolge, den sogenannten Meilensteinen der Entwicklung, und in seinem Tempo („Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.“).

9. Wie ein Kind zeigt, was es braucht – Säuglinge und feinfühlige Eltern kommen miteinander „ins Gespräch“

  • Faszinierend ist, wie intensiv Neugeborene und Säuglinge mit den ihnen vertrauten und liebevoll zugewandten Personen Kontakt aufnehmen – mit Blicken, Mimik, Bewegung von Armen und Beinen und einigen Lauten. Eine intensive  Kommunikation beginnt oft mit Lächeldialogen. Auch ohne verständliche Sprache gelingt die Verständigung zwischen den Partnern oft bestens. Eine große Rolle spielt hierbei die elterliche Feinfühligkeit.
  • Die elterliche Feinfühligkeit sorgt dafür, dass die vielfach nicht eindeutigen Signale des Babys nicht übersehen werden, sondern ganz bewusst wahrgenommen, so gut wie möglich enträtselt und rasch und möglichst angemessen beantwortet werden. Zu den wichtigen Botschaften des Kindes gehören: Ich bin müde, ich bin durstig, ich bin hungrig, es ist mit zu laut, ich fühle mich allein, ich habe Schmerzen, ich freue mich, es geht mir gut, …
  • Feinfühligkeit ist eine innere Haltung, die manche Eltern schon aus ihrer Familie mitbringen. Sie wird sichtbar in der Art und Weise, wie Eltern auf die Signale ihres Kindes reagieren. Wenn Eltern ohne Feinfühligkeit aufgewachsen sind, haben sie  die Chance, diese Haltung  und ihre Qualitäten in der Interaktion mit dem eigenen Kind  zu erlernen.
  • Wenn Eltern mit Ihrem Kind feinfühlig umgehen, entwickelt sich eine sichere emotionale Bindung zwischen Kind und Eltern. Das Kind findet in seinen Eltern einen sicheren Hafen. Dieser Prozess dauert mindestens 12 (-24) Monate.
  • In den unendlichen Zwiegesprächen zwischen diesen vertrauten Personen – Mutter/Kind, Vater/Kind –  entdeckt das Kind nach und nach, wer es ist (seine Eigenständigkeit, seine  persönliche Integrität), und dass es so, wie es ist, angenommen und geliebt ist (der Selbstwert kann sich entfalten).

10. Konflikte können konstruktiv gelöst werden – aber wie?

  • Konflikte sind normaler Bestandteil unseres Lebens. Sie sind ungefährlich, wenn die Beteiligten gelernt haben, konstruktiv mit ihnen umzugehen.
  • Einige Konflikte resultieren aus Nichtbeachtung von Regeln.
  • Die meisten Konflikte sind Bedürfniskonflikte. In einer bestimmten Situation möchte A dies und B etwas anderes. Solche Bedürfniskonflikte finden sich gleichermaßen  in der Beziehung zwischen Erwachsenen und der zwischen Erwachsenen und Kindern.
  • Aus unseren Ursprungsfamilien bringen wir oft „Lösungsmuster“ mit, die destruktiven Charakter haben: Oft geht es um die „besseren Argumente“ oder darum, wer sich  durchsetzt. Derartige Auseinandersetzungen enden  oft mit Streit, Rückzug, Schweigen, Gewinnern und Verlierern.
  • Eine gute Alternative ist der gleichwürdige Dialog. Zu  ihm gehören die „persönliche Sprache“ und die Fähigkeit und Bereitschaft, dass ich mich  als Person mit meinen Bedürfnissen und Grenzen erkennbar mache.
  • Wichtig: Kinder machen keine Machtkämpfe, auch wenn es von außen betrachtet manchmal so aussieht.